"Bei jeder Schule können Jahre gespart werden"

In: Sächsische.de vom 12.08.2020

Nun wurde die Stesad auch für die Digitalisierung aller Dresdner Schulen ins Gespräch gebracht. Stesad-Chef Axel Walther spricht im SZ-Interview über die Herausforderungen, seine Idee, wie der Schulbau schneller gehen soll, und was von der Stadt-Tochter für den Umweltschutz getan wird.  

Herr Walther, wann haben Sie erfahren, dass Sie das Verwaltungszentrum bauen?

Im Juni, unmittelbar nach der Bürgermeisterklausur, in der das entschieden wurde, hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert mich angerufen.

Was war Ihr erster Gedanke?

Wenn der Oberbürgermeister anruft, gehe ich ran und höre zu. Ich war überrascht und dann gingen mir viele Dinge durch den Kopf, die geklärt werden müssen.

Was muss denn zuerst geklärt werden?

Etwa: Wie kommt das Grundstück am besten in eine GmbH wie die Stesad? Wir waren ja bisher nicht involviert, bei anderen Projekten wie dem Kulturpalast und dem Kraftwerk Mitte lief das etwas anders, wurde mit der KID extra eine Gesellschaft gegründet, die die Verwaltung übernommen hat. Dann muss die Bausumme von 139 Millionen finanziert werden. Bisher haben wir für Stesad-Projekte keine Kredite aufnehmen müssen. Zudem müssen mit der Stadt Fragen zur Miete geklärt werden als auch beabsichtigte Eigenleistungen, etwa bei Wartung, Reinigung oder Medienversorgung.

Können Sie das Projekt stemmen?

Ja. Das Projekt ist mit einem Generalübernehmer geplant. Das vereinfacht die Bauüberwachung. Beim Kraftwerk Mitte, mit der Operette und dem Theater Junge Generation, lief es ähnlich. Damals waren drei Mitarbeiter von uns gebunden. Das Projekt hatte ein Volumen von 90 Millionen Euro, jetzt sind es etwa 50 Millionen Euro mehr. Wir müssen also keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen. Diejenigen bei uns, die Erfahrungen mit so großen Projekten haben, werden auch das übernehmen. Außerdem wäre es möglich, dass Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung zumindest auf Zeit zu uns wechseln. Das haben wir beim Kulturpalast auch so gemacht, damit keine Informationen verloren gehen.

Der Stadtrat hat sich doch noch gar nicht für die Stesad entschieden?

Wir sind bei den Runden mit der Stadt dabei, in denen beispielsweise die Vor- und Nachteile oder die Wertermittlung des Grundstücks Thema sind. Das ist nötig, damit die Vorlage für den Stadtrat fundiert ist und rasch erstellt werden kann. Der soll im Oktober oder November entscheiden. Erst dann steigen wir offiziell in den wettbewerblichen Dialog ein.

Ist es weiterhin so geplant, dass Sie die Stadt beim Schulbau unterstützen?

Ich denke schon. So sehe ich auch die Rolle der Stesad. Wenn die Stadtverwaltung solche Dienstleistungen braucht, beauftragt sie uns als ihre Tochter. Wir haben es etwas leichter, schnell Personal zu akquirieren und im Zweifel auch wieder abzubauen. Außerdem können wir bei manchen Anforderungen flexibler agieren als die Verwaltung.

Das funktioniert nicht immer gut. Einige Projekte sind deutlich teurer geworden.

Von den richtig großen Projekten sind der Schulcampus Tolkewitz und das Kraftwerk Mitte in den Kosten geblieben. Wenn das Kraftwerk Mitte mit einem Volumen von 90 Millionen Euro am Ende drei Millionen Euro teurer wird, dann kommt das einer Punktlandung nah. Aber ja, beim Kulturpalast und dem Schulcampus Pieschen gab es erhebliche Kostensteigerungen. Beim Campus wurden unter anderem Fehler von externen Planern gemacht. Wir haben unsere Schadenersatzforderungen an die Planer-ARGE des Schulcampus übermittelt. Momentan sind es acht Millionen Euro, die wir fordern.

Die Digitalisierung der Schulen macht auch die Stesad?

Daran arbeiten wir gerade, ja. Es geht darum, die 140 Bestandsschulen der Stadt im Zuge des Digitalpaktes zu ertüchtigen. Einige neuere sind bereits so weit. Etwa bei der Hälfte müssen Datenleitungen verlegt werden. Alle Schulen benötigen ausreichend Laptops, interaktive Tafeln und Router. Dafür gibt es 27,9 Millionen Euro Fördermittel. Die Herausforderung ist: Es muss alles bis Ende 2024 erledigt sein. Um die Breitbandanbindung kümmert sich der Eigenbetrieb IT. Aber an einigen Schulen werden wir bauen müssen. Um die Kabel verlegen zu können, muss das Elektro-Netz erweitert oder ertüchtigt werden. Eventuell müssen auch Serverräume oder Durchbrüche geschaffen werden.

Wie soll das so schnell funktionieren?

Die Stadt hat bereits 47 Schulen definiert, an denen vermutlich gebaut werden muss. Diese Gebäude werden in den Sommerferien mit 360-Grad-Fotos und durch das Scannen sämtlicher Räume dokumentiert. Dann müssen Elektroplaner nicht mehr jedes Schulhaus aufsuchen, um dafür zu planen. Sie sehen genau, wo es Steckdosen gibt und wo nicht. Das spart Zeit.

Beim Schulbau soll es künftig auch schneller gehen?

Auch dazu sind wir mit der Stadt in Abstimmungen. Beim Schulcampus Tolkewitz wurden wir als Bauherr statt als Projektsteuerer eingesetzt, weil es schnell gehen musste und es ging schneller. So läuft es beim Gymnasium linkselbisch Ost derzeit auch. Wir haben auch weitere Ansätze, Prozesse zu straffen. Jede Sanierung kann nur erfolgen, wenn die Schule ausgelagert werden kann. Es gibt aber nicht viele Auslagerungsstandorte. Deshalb muss es insgesamt schneller gehen. Einfeldsporthallen können wir beispielsweise über den Sommer bauen. Dann können die Schüler mit Sportunterricht im Freien starten und die Halle nach den Herbstferien nutzen – so wird keine andere Halle benötigt.

Wäre eine Typ-Bauweise für Schulen möglich?

Davon halte ich nicht viel. Schulen müssen in den Stadtteil passen und zum pädagogischen Konzept. Aber ein Bau mit vorgefertigten Modulen könnte eine gute Lösung sein. Das probieren wir gerade an der neuen Oberschule am Schilfweg. Das sind aber keine Container, eher vergleichbar mit Fertighausteilen. Es bedeutet auch nicht, dass alle Schulen gleich aussehen müssen. Dadurch wird aber die eigentliche Bauzeit kürzer und die Auslagerungsschulen werden nicht so lange benötigt.

Wie viel Zeit kann da gespart werden?

Ich denke, bei jeder Schule können ein bis zwei Jahre gespart werden. Ausgehend von der Faustregel, dass von dem ersten Gedanken bis zur Nutzung sieben Jahre benötigt werden. In Tolkewitz haben wir von der Grundsteinlegung bis zur Nutzungsübergabe eineinhalb Jahre für den Bau benötigt, für zwei Schulen und zwei Sporthallen.

Setzen Sie beim Bau auch auf Klimaschutz?

Ja, wir achten darauf, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. Das Ziel ist, bei allen unseren Gebäuden graue Energie einzusparen. Denn Beton ist natürlich ein Energiefresser. Beim Dämmmaterial kann man auch eine ganze Menge Energie sparen. Der Schulcampus Tolkewitz wurde als erster kombinierter Schulbau in Deutschland mit dem Zertifikat nach dem Bewertungssystem nachhaltiges Bauen in Gold ausgezeichnet. Die 76. Grundschule und das Tschirnhaus-Gymnasium haben dieses Zertifikat in Silber.

Was tut die Stesad noch für den Klimaschutz?

Wir haben Anfang dieses Jahres entschieden, dass wir im Jahr 2020 CO²-neutral sein wollen. Deshalb haben wir für den Geschäftssitz komplett auf Naturstrom von der Drewag umgestellt, es gibt das Job-Ticket, was rund 50 unserer gut 100 Mitarbeiter nutzen, zwölf Mitarbeiter haben ein Job-Rad. Außerdem haben wir von der Stiftung Wilderness International unseren CO²-Fußabdruck ermitteln lassen.

Wie groß ist dieser?

In diesem Jahr liegt er mit gut 500 Tonnen sehr hoch. Das liegt aber auch daran, dass wir Baumaßnahmen im Haus durchgeführt haben, die alleine 150 Tonnen CO² produziert haben. Etwa 20 Prozent machen die Arbeitswege unserer Mitarbeiter aus - deswegen Job-Ticket und -Rad. Wir haben im kompletten Haus auf LED-Beleuchtung umgestellt, drei von zehn Firmenfahrzeugen sind jetzt Elektro-Autos, ein Benziner wurde abgeschafft, wir haben drei Elektro-Fahrräder bestellt, damit die Mitarbeiter mit dem Rad zu Terminen fahren können.

Ist die Stesad damit bereits neutral?

Nein. Aber es gibt Dinge, die nicht CO2-neutral sind, auf die wir aber nicht verzichten können oder wollen, wie den Fernwärmeanschluss, die Klimaanlage, Computer, Büromaterial – bei Letzterem bestellen wir aber nur noch nachhaltige Produkte. Was wir nicht reduzieren können, kompensieren wir. Beispielsweise durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Wir haben für jeden Mitarbeiter ein sogenanntes Klassenzimmer – das sind 64 Quadratmeter Regenwald in Kanada – gekauft. Zusammen haben wir so 600 Tonnen CO² kompensiert, sind also 2020 neutral. Wichtig ist mir, nicht nur von Co² zu sprechen. Es geht auch um Natur- und Artenschutz. Abgesehen von unseren Stesad-Bienen in unserem Geschäftshaus haben wir kürzlich das Anlegen von 1.500 Quadratmetern Blühfeldern im Schönfelder Hochland finanziert, zum anderen 666 Bäume über die Aktion "Mein Baum – Mein Dresden" erworben, die bald neu gepflanzt werden.

Foto: SZ/Sven Ellger

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