Turnhalle aus Carbonbeton für Dresden im Visier

In: DNN vom 03. Juli 2021

Die Stadt-Tochter Stesad will ihre Bauvorhaben stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten. Das kündigte Geschäftsführer Axel Walther auf DNN-Anfrage an. Dazu gehöre unter anderem die Reduzierung des mit den Projekten verbundenen Kohlendioxidausstoßes.

Der Stesad-Chef ist davon überzeugt, dass künftig die Vergabe von Fördergeldern und Aufträgen immer stärker mit Nachhaltigkeit verknüpft sein wird. Die Stesad GmbH ist als städtisches Unternehmen für Stadtentwicklung und Projekt- und Immobilienmanagement unter anderem im Schul- und Kitabau aktiv.

Zertifizierte Schulbauten

Bereits in der Vergangenheit habe die Stesad Investitionen an Kriterien für nachhaltiges Bauen ausgerichtet. Entsprechende Zertifikate haben beispielsweise die Neubauten für das Tschirnhaus-Gymnasium und das Gymnasium Tolkewitz sowie die 76. Grundschule erhalten. Nach einem Punktesystem geht es dabei um energetische Fragen, Materialien mit Ökozertifikaten und die mögliche Trennung und Wiederverwendung von Stoffen bei einer späteren Entsorgung. Die Stesad habe dazu inzwischen auch einen Mitarbeiter geschult, der solche Prozesse begleitet.

„Das ist aber noch kein CO2 -neutrales Bauen“, erklärte Walther. Es sei eine große Aufgabe, da besser zu werden. Dabei gehe es nicht nur darum, beim Betrieb der Gebäude möglichst wenig CO2 zu erzeugen. Der Löwenanteil entstehe bei der Errichtung. Die CO2 -Treiber seien dabei vor allem die Herstellung von Stahl und Zement für den Stahlbeton – die „graue Energie“. Zwar ließen sich diese Stoffe auch mit ökologisch erzeugtem Strom herstellen. Das mache sie aber deutlich teurer, bei Stahl steige der Preis um 30 Prozent, bei Zement sogar um 300 Prozent. „Es ist illusorisch, dass diese Baupreise akzeptiert werden“, meint Walther.

Zement reduzieren

Daher müsse vor allem Zement deutlich reduziert werden, beispielsweise durch den Einsatz von Holz – auch wenn dafür derzeit die Preise durch die Decke gehen. Ein Beispiel dafür sei der Schulbau am Schilfweg. Dort wird das zuletzt von der Volkshochschule genutzte Gebäude abgerissen und durch einen dreigeschossigen Komplex aus Holzmodulen ersetzt.

Mit Holzfertigteilen ließ die Stesad bereits drei Kitas errichten. Diese seien nicht zuletzt wegen der wiederverwendeten Planung nicht teurer als herkömmliche Bauten gewesen.

Bei der Suche nach weiteren Möglichkeiten nimmt die Stesad auch den in Dresden an der TU entwickelten Carbonbeton ins Visier. Ein Modellhaus errichten die Forscher bis 2022 am Fritz-Foerster-Platz. Der Stahl wird dabei durch Kunststoffgitter ersetzt. Es ist das Leuchtturmprojekt der Forschungsinitiative C3-Carbon Concrete Composite (Carbon-Beton-Verbund) um Professor Manfred Curbach vom Institut für Massivbau der TU Dresden.

Fragen bei Genehmigung

Für die Ummantelung des Kunststoffs ist viel weniger Beton notwendig als bei Stahlbeton, Bauen wird energie- und CO2-ärmer – auch wenn derzeit bei der Herstellung des Kunststoffmaterials noch viel Energie und Erdöl eingesetzt wird. In Kooperation mit den C3-Akteuren hat sich die Stesad eine Einfeld-Turnhalle mit Einsatz von Carbonbeton konzipieren lassen. Hinsichtlich der Kosten sieht Stesad-Chef Walther ein solches Projekt im Bereich des Möglichen. Es gebe jedoch viele Unwägbarkeiten, die aufgrund des neuartigen Materials auch genehmigungsrechtliche Fragen betreffen und zu langwierigen Prüfung führen könnten.

Nachgedacht werde daher zunächst auch über eine Fahrrad-Garage auf dem Stesad-Gelände, um selbst Erfahrungen mit dem Material zu sammeln. „Man muss mal anfangen“, sagte Walther.

Mit vorgefertigten Modulen ließe sich möglicherweise ein Ersatzneubau für eine alte DDR-Turnhalle viel schneller realisieren und damit das Ausweichen auf Interimslösungen für die Schüler verkürzen. Weitere Möglichkeiten zur CO2 -Einsparung gebe es bei der Haustechnik in Gebäuden, Stromkabel für eine elektrische Heizung ließen sich viel leichter verlegen als Wasserleitungen für Fernwärme-Heizungen. Dann dürfte die Stromversorgung freilich nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen.

Effizienter Umgang mit Flächen nötig

Insgesamt sei es wichtig, mit Flächen effizienter umzugehen. „Jeder Quadratmeter der nicht gebaut und dann auch nicht bewirtschaftet werden muss, spart letztlich Kosten und CO2“, verwies der Stesad-Chef auch auf Sparpotenziale schon bei der Planung von Gebäuden.

Walther geht davon aus, dass auch CO2-Zertifikate das Bauen künftig immer teurer machen werden, wenn es mit viel Kohlendioxid-Ausstoß verbunden ist. „Da gibt es einen echten wirtschaftlichen Anreiz, um CO2 im Bauen zu vermeiden.“ Der noch unvermeidliche Rest an CO2-Ausstoß sollte kompensiert werden, idealerweise mit lokalen Projekten und Initiativen.

Foto: Fertigbauteile aus Holz werden an der Kita Michelangelostraße montiert (STESAD GmbH)

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