Zwischenstand Digitalisierung Schulen

In: DNN vom 19. Mai 2022:

Bei der Umsetzung des Digitalpakts hat die Stadt Dresden noch viel zu tun. Etwa zur Halbzeit des Projekts sind von den vorhandenen Geldern bislang etwa zehn Prozent tatsächlich ausgegeben worden, etwa 20 Prozent sind fest für konkrete Arbeiten gebunden. Diesen Stand erfuhren jetzt Bildungspolitiker des Stadtrats von Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) und Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU). Von 172 Schulobjekten seien bis heute 112 an das Stadtnetz 500+ angeschlossen, bilanziert der SPD-Politiker. Gemeint ist damit ein Glasfaserkabel am Gebäude, das hohe Datenraten verspricht, mit dem aber praktisch noch niemand etwas anfangen kann.


Die Stadt wollte ein einheitliches System schaffen und ein Nebeneinander von unterschiedlichen Netzen (Kupfer und Glasfaser), Betreibern und Inhabern für kommunale Einrichtungen vermeiden. Daher hatte sie sich entschlossen, den Breitbandausbau in Dresden in die eigenen Hände zu nehmen.
Nach den Richtlinien des Förderprogramms „Weiße Flecken" wären im Sommer 2017 beispielsweise nur 125 der 165 Schulstandorte förderfähig gewesen, weil die anderen nach damaligen Maßstäben über ausreichende Datenraten (mindestens 30 Mbit/s Download-Geschwindigkeit) verfügten.


Die Stadt musste also nicht überall bei Null anfangen. Außerdem hätte der Betrieb der geförderten Breitbandnetze an private Telekommunikationsunternehmen vergeben werden müssen. Im Juli 2019 beschloss der Stadtrat den Glasfaserausbau für alle städtischen Gebäude von Berufsfeuerwehr bis Bibliotheken im Projekt „Stadtnetz 500+" durch stadteigene Tochtergesellschaften wie die Stadtwerke Drewag und die Verkehrsbetriebe DVB, die ihre vorhandene Infrastruktur dafür mitnutzen konnten.

So gab es 550 Kilometer an Netztrassen schon, lediglich 60 Kilometer (10 Prozent) müssen neugebaut werden. Es geht um mehr als schnelles Internet – Gebäudeleittechnik, Energiemanagement, städtisches Verwaltungs- und Kommunikationsnetz, kommunales Datennetz des Freistaats, pädagogisches Netz und Verwaltungsnetz für Schulen.


Etwa 20 Millionen Euro lässt sich die Stadt das kosten. „Das ist günstiger als regelmäßig Gebühren zu zahlen", erklärte Lames. Alle zwei Jahre verdoppele sich die Datenmenge in den Netzen, Glasfaser setze da keine technischen Grenzen, die entstünden derzeit durch die Geräte am Anfang und Ende des Netzes. Rechenleistung sei zentralisierbar in Zentren der Stadt, in den Schulen seien keine dezentralen Lösungen nötig. Am 13. Dezember 2019 übergab die Stadt offiziell den ersten Glasfaser-Gebäudeanschluss in der 10. Grundschule. Jährlich würden 100 neue Hausübergabepunkte eingerichtet. Ende März waren von 432 vorgesehenen Nutzern 271 am Netz angeschlossen. Projektabschluss ist für Sommer 2024 geplant. Da sollen dann auch alle Schulen dabei sein, bislang sind 112 von 172 nötigen Anschlüssen für Gebäude von Schulen und Horten geschaffen.


Hier kommt die STESAD ins Spiel und auch erst hier das Geld des Digitalpakts für Bildung von Bund und Ländern. Rund 28 Millionen Euro erhält die Stadt Dresden aus diesem Paket. Die städtische Tochter sorgt für den Ausbau in den Gebäuden, damit die Daten aus dem Glasfaserkabel auch von Schülern und Lehrern mit ihren Laptops und Tafeln genutzt werden können. Dafür sind in den Schulen wiederum Netzwerke per Kabel oder kabellos notwendig und die Endgeräte. In 70 der 150 Schulen müssen Bauarbeiter anrücken. Dafür hat die STESAD acht Pakete geschnürt, die derzeit Schritt für Schritt abgearbeitet werden. Bis Ende 2024 muss alles abgeschlossen sein. „Wir brauchen diesen Zeitraum", erklärte Stesad-Vertreter Thomas Gellrich vor den Bildungspolitikern, „wir haben noch eine Menge Schulen vor uns".


So kann es aber auch passieren, dass schon das Glasfaserkabel an einer Schule anliegt, der Ausbau in der Schule aber erst in einem späteren Paket geplant ist. „Wenn wir diese Pakete immer wieder aufschnüren, gewinnt vielleicht eine Schule, aber das beschleunigt uns insgesamt nicht", verteidigt die Leiterin des Amtes für Schulen, Katrin Düring, das grundsätzliche Festhalten am Konzept.


„Wo immer Beschleunigung möglich ist, wird beschleunigt", erklärt Bildungsbürgermeister Donhauser. In allen Schulen habe die Begehung stattgefunden, um den Ausbau zu planen. Problem auch hier wie überall in den letzten Jahren: „Teilweise waren Begehungen mit Handwerkern im Februar und bis heute liegt uns kein Angebot vor", erklärt Düring. Baupreissteigerungen sind der nächste Dauerbrenner. Mehr Technik bedeutet mehr Wartung. Das wird aus den Schulen mantraartig vorgetragen, wo sogenannte pädagogische IT-Koordinatoren – der inzwischen schon fast legendären „Pitko" – für Medienbildung und Medienkonzepte verantwortlich sein sollen, aber vielfach zum Systembetreuer werden. Dabei sind es Lehrer, die der Freistaat bezahlt.


Dürings Ansage ist hier klar: Es muss auch mehr Qualifizierung der Lehrer im Umgang mit der Technik geben. Gleichzeitig müsse auch die Fernwartung („Ticket-System") verbessert werden. „Eine IT-Assistenz seitens des Landes wäre ein großer Schritt", fügt Düring noch hinzu und denkt an personelle Hilfe direkt in den Schulen. SPD-Bildungspolitikerin Dana Frohwieser wünscht sich mehr Flexibilität für Zwischenlösungen, bis der geplante Ausbau umgesetzt ist, und mehr Transparenz für den Gesamtstand an den Schulen. „Ich stelle mir eine Ampel vor, die auf einen Blick Klarheit verschafft." Rot sollte für Schulen stehen, die noch gar nichts haben, gelb für Schulen mit schwachem Netz und grün für den Glasfaserausbau. Bislang fehle da der einfache Überblick.

Mancher Kritiker zweifelt sogar, dass die Stadt den Ausbau bis Ende 2024 abschließen kann, dann droht der Fördermittelverlust. Dem widerspricht Donhauser energisch. „Es darf nicht passieren, dass wir Fördermittel verlieren, es wird auch nicht passieren." Die STESAD übernimmt auch die Beschaffung der aktiven Technik, wie die Endgeräte, interaktive Tafeln und PC genannt werden – im Gegensatz zur passiven Technik wie Kabel, Dosen oder Serverschränken. Die EU-weiten Vergabeverfahren waren Anfang dieses Jahres abgeschlossen.


Von den 26,2 Millionen Euro für den Ausbau der passiven Technik. Sind in den Jahren 2021 und 2022 rund 5,6 Millionen Euro für konkrete Vorhaben fest gebunden und davon rund 2,4 Millionen Euro ausgegeben worden. Mit dem erreichten Stand sei er „sehr zufrieden", sagt Donhauser. Mitte 2020 habe der Freistaat den Fördermittelbescheid an die Stadt übergeben, im Februar 2019 hatten sich Bund und Länder auf das Fünf-Milliarden-Paket für Deutschland verständigt. Dann waren an den Schulen Konzepte zu entwickeln, bei der Stadt einzureichen und die Gelder beim Land zu beantragen.


Im Dezember 2020 beauftragte der Stadtrat den OB, die STESAD als Generalübernehmer zu engagieren. „Angesichts der Komplexität war das die richtige Entscheidung", erklärt Donhauser. In sieben Schulen aus dem STESAD-Baupaket ist bislang im Inneren das Netz ausgebaut. Im Sommer rechnet die STESAD mit der Komplettausstattung der ersten Schulen mit der aktiven Technik.

 

 

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