Dresden muss im Schulbau schnell sein

Interview Sächsische Zeitung vom 2. Februar 2020 zum Thema Schulneubau und Sanierungsstau in der Landeshauptstadt Dresden:

Herr Koettnitz, im August gehen mit dem Gymnasium Johannstadt und der 151. Oberschule in der Neustadt zwei neue Schulen an den Start, zunächst in Ersatzgebäuden. Eltern melden ihre Kinder meist nur dort an, wenn sie sicher sind, dass die späteren Gebäude rechtzeitig fertig werden. Klappt das bei beiden?


Was die 151. Oberschule betrifft, deren Neubau an der Ecke Stauffenbergallee/Königsbrücker enstehen soll, liegen wir gut im Zeitplan. Gerade wurde das Gelände beräumt. Die vierzügige Schule wird im August 2022 dort öffnen. Zunächst aber lernen die Schüler ab 31. August 2020 für zwei Jahre im Gebäude der 30. Grundschule auf der Hechtstraße, das mit Containern erweitert wurde. Zwei fünfte Klassen können sich anmelden. Das Gymnasium Johannstadt eröffnen wir im Haus der 101. Mittelschule auf der Pfotenhauerstraße. Innerstädtisch haben wir einen großen Bedarf an Gymnasialplätzen, der nochmals um fünf Prozent gestiegen ist, seitdem 2017 die Zugangskriterien verändert wurden. Drei fünfte Klassen können hier im August aufgenommen werden. 2024 soll die 101. Oberschule in einen Neubau auf der Cockerwiese umziehen. Dann würde das ganze Johannstädter Haus für das Gymnasium zur Verfügung stehen. Ich bin mir allerdings unsicher, ob wir den Termin angesichts langer Planungs- und Vergabeverfahren halten können. Derzeit laufen erst Vorbereitungen für die Vergabe der Planerleistungen. Dazu kommt, dass die Baufirmen ausgelastet sind und wir nicht auf jede Ausschreibung Bewerbungen bekommen.


Haben diese Umstände auch in anderen Schulen zu Verzögerungen geführt?


Ja, im Moment können wir durch fehlende Brandschutztüren die Sanierung der 15. Grundschule noch nicht abschließen. Eigentlich sollten die Kinder nach den Winterferien zurückziehen können. Jetzt wird es nach den Osterferien sein. Probleme haben wir außerdem am Gymnasium Plauen. Die Sanierung sollte eigentlich diesen Sommer beendet sein. Inzwischen mussten wir den Termin, wann die Schüler vom Auslagerungsstandort Terrassenufer zurückziehen können, auf Februar 2021 verschieben. Nachdem ich das Haus in Augenschein genommen habe, bin ich nicht sicher, ob das angesichts der wenigen Bauarbeiter vor Ort realistisch ist. Ich sehe auch diesen Termin sehr kritisch und rechne eher mit einem Rückzug im August 2021.


Das bedeutet, dass sich auch die Sanierung des Gymnasiums Cotta verschiebt, die ab Sommer 2020 geplant war?


Richtig. Wir haben derzeit nur ein Auslagerungsgebäude am Terrassenufer und wenn das belegt ist, geht es woanders nicht voran. Dass das Gymnasium Klotzsche derzeit wegen seines Neubaus im Schulcampus Gehestraße sein kann, ist nur möglich, weil dort noch nicht die volle Schülerzahl erreicht und damit noch Platz ist. Nach Cotta wäre das Bertolt-Brecht-Gymnasium dran, das abgerissen und neu gebaut werden soll. Dafür muss es aber umziehen können, was sich ebenfalls nach hinten verschiebt. Deshalb hat es für uns höchste Priorität, Grundstücke zu suchen und zu finden, auf denen weitere Auslagerungsgebäude für Gymnasien entstehen könnten. Ein bis zwei sind dringend notwendig. Die könnten dann als Modul- oder Containerbauten entstehen.


Eine Idee wäre auch der Standort Schilfweg, aber das ist noch nicht entschieden. Derzeit wird ein altes Schulgebäude auf der Ginsterstraße umgebaut, damit ab August dieses Jahres dorthin Grund- und Oberschulen ausgelagert werden können. Gibt es für die Baufirmen nicht auch vertraglich geregelte Übergabetermine?


Natürlich gibt es die, aber die Firmen haben volle Bücher und versuchen überall voranzukommen. Wir sind als Stadt nur einer von vielen Auftraggebern.


Was heißt das für weitere Projekte des Schulverwaltungsamtes, zum Beispiel die technische Ausstattung der Schulen im Rahmen des Digitalpaktes?


Dass Dresden versuchen muss, schnell zu sein. Mit den Anträgen für die Fördermittel, mit den Planungen, den Ausschreibungen und letztlich dem Bau. Die knapp 28 Millionen Euro müssen bis 2024 ausgegeben sein. Bis dahin müssen alle Schulträger handeln, also wird es hintenraus richtig eng. Wir wollen damit die Stadtentwicklungsgesellschaft Stesad beauftragen, weil das Hochbauamt signalisiert hat, dafür keine Kapazitäten zu haben.


Die Stesad hat im Auftrag der Stadt bereits den Schulcampus Tolkewitz gebaut und auch den an der Gehestraße übernommen, als dort wegen Planungsfehlern der Kollaps drohte. Alles ist rechtzeitig fertig geworden. Wäre es eine Lösung, große Schulprojekte künftig von der Stesad bearbeiten zu lassen?


Die Stesad ist eine städtische GmbH und damit etwas freier in ihren Entscheidungen als es das Hochbauamt ist. Sie kann beispielsweise einzelne Baulose bündeln, wir müssen alles einzeln ausschreiben. Die Abläufe könnten so gestrafft werden. Ich würde mir einen Generalauftragnehmer für die einzelnen Projekte wünschen, der alles koordiniert, wie ich es aus meiner Zeit im Straßen- und Tiefbauamt kenne.


Eine Schule, über deren Zukunft schon seit mehr als einem Jahrzehnt diskutiert wird, ist die 88. Grund- und Oberschule in Hosterwitz. Der Doppelstandort platzt aus allen Nähten. Wann beginnt endlich die geplante Sanierung am Plantagenweg, wo die Grundschule später einziehen soll?


Ich kenne das Thema auch als Straßenbauer, denn Knackpunkt war die schmale Zufahrt, für die erst eine Lösung gefunden werden musste. Inzwischen ist die Straße gebaut und die Sanierung des Plattenbaus am Plantagenweg wird im Sommer beginnen. Im August 2022 sollen die Grundschüler dort einziehen können. Dann müssen wir uns das Schulhaus der 88. auf der Dresdner Straße ansehen, was dort alles erneuert werden muss. Dafür gibt es aber weder Pläne noch eine Zeitschiene.

 

Symbolbild: STESAD GmbH

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