Alles neu machen die Millionen

DNN vom 01. Oktober 2019, u.a. über: Offizielle Einweihung des Ehrenfried-Walther-von-Tschirnhaus-Gymnasiums

„Dresden wächst weiter“, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am 30.09. im Tschirnhaus-Gymnasium. 2030 würden etwa 582 000 Menschen in Dresden leben, 33 000 oder sechs Prozent mehr als heute. „Bei zukünftigen Ausgaben für Bildung und Schulinfrastruktur müssen wir das berücksichtigen“, sagte das Stadtoberhaupt.

Die Stadt hat seit 2016 das frühere Fritz-Löffler-Gymnasium an der Bernhardstraße denkmalgerecht saniert und um einen Neubau und eine Vierfeld-Sporthalle ergänzt. 45 Millionen Euro hat Dresden dafür ausgegeben. Sechs Millionen davon hat das Land für die Sporthalle beigesteuert, 23 000 Euro gab es vom Freistaat für die Fahrradabstellanlage dazu. Das Gymnasium, das auf Vorschlag von Eltern und Schülern jetzt nach dem Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus benannt ist, begann 2014 auf dem Leutewitzer Ring als Gymnasium Süd-West. Gegenwärtig lernen dort laut Schulleiterin Sandra Gockel 800 Schüler. Im neuen Haus ist Platz für eine sechszügige Schule mit bis zu 1344 Kindern und Jugendlichen.

In Dresden gibt es 18 Gymnasien, die von der Stadt getragen werden. Aus Zahlen, die die Verwaltung auf DNN-Anfrage zusammengestellt hat, geht hervor, dass in den letzten drei Jahrzehnten seit der Wende in die jeweiligen Gebäude insgesamt rund 453 Millionen Euro investiert wurden. Dabei reichten die Investitionen bei den Sanierungen meist vom Brandschutz über Sanitäranlagen und Heizungen bis zu Dächern und Fenstern. Viel Geld floss auch in Neubauten von Schulgebäuden, Turnhallen oder Erweiterungen.

Bei den Neubauten waren das die Standorte Tolkewitz (70 Millionen Euro) und Pieschen (90 Millionen Euro). Auf dem jeweiligen Campus ist aber in beiden Fällen auch der Neubau von Oberschulen in die Gesamtbeträge mit einbezogen. Bei den Sanierungen und Erweiterungen flossen große Beträge beispielsweise in Gebäude der Gymnasien Bürgerwiese (unter anderem 8,8 Millionen Euro für die Instandsetzung am Bau an der Gret-Palucca-Straße) und „Bertolt Brecht“ (6,7 Millionen Euro im Jahr 1998 für Generalsanierung, Anbau und neue Sportanlagen).

Nach der Wende ging die Zahl der Geburten in Dresden stark zurück. Das schlug sich natürlich nach einigen Jahren in stark sinkenden Schülerzahlen nieder. Von 2003 bis 2012 ging die Schülerzahl in Dresden in den Klassen 11 und 12 um 31 Prozent zurück. Das Fritz-Löffler-Gymnasium war in Folge des Schülermangels zum Ende des Schuljahres 2007 geschlossen worden.

Das Löffler-Gymnasium war kein Einzelfall, inzwischen gab es aber auch interessante Wendungen: Das Annengymnasium (Annenstraße 9) schloss 2002, die Nachnutzung erfolgt durch die Internationale Schule Dresden. Das Haydn-Gymnasium (Haydnstraße 49) schloss 2004, nach der Gesamtsanierung 2008 nutzt es nun das Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium. 2004 schloss auch das Erich-Wustmann-Gymnasium auf der Boxberger Straße 1/3. Zunächst als Bauauslagerungsstandort und später als Asylbewerberheim genutzt, ist inzwischen an dem Standort ein Neubau für das Berufliche Schulzentrum „Franz Ludwig Gehe“ geplant. Das befindet sich derzeit am Leutewitzer Ring, wo 2005 das Andreas-Schubert-Gymnasium geschlossen worden ist. Mittlerweile hat dort das neu eröffnete Gymnasium Dresden-Gorbitz den Unterricht aufgenommen, Sanierungsarbeiten laufen. 2007 wurde das Gymnasium Dresden-Großzschachwitz (Rathener Straße 78) geschlossen, jetzt nutzt die Christliche Schule Dresden den Standort (Oberschule und Gymnasium). Aus der Statistik der Stadt fiel nach der Wende auch das Kreuzgymnasium (Eisenacher Straße 21) heraus , das ab 2004 in die Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde überging.

Wie Schulleiterin Sandra Gockel am Tschirnhaus-Gymnasium erklärte, musste der Boden in der neuen Turnhalle schon wieder saniert werden, weil sich ein Sportverein nicht an die Nutzungsregeln gehalten hat. Doch OB Hilbert hat anderes im Blick, wenn er für die Jahre bis 2023 weitere Investitionen der Stadt in Schulen in Höhe von 766 Millionen Euro ankündigt. „Das zeigt, wie wichtig das Thema Bildung für unsere Stadt und unsere Gesellschaft ist“, fügte das Stadtoberhaupt hinzu. Umso wichtiger sei die Förderungen vom Land.

In den nächsten Jahren gibt es ein Stadtbudget für die Kreisfreien Städte. 310 Millionen Euro fließen bis 2023 an Dresden, Leipzig und Chemnitz. Weil wohl vor allem auf Drängen der Landes-SPD die Verteilung nach den Zuwachszahlen bei den Schülern erfolgt, fließen nicht die üblichen 40 Prozent (124 Millionen Euro), sondern lediglich etwa 100 Millionen Euro nach Dresden. Leipzig erhält deutlich mehr. Die Städte können dann selbst entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben. Es sollen nicht mehr immer wieder Einzelprojekte gefördert werden.

Für eine vollständige Sanierung aller kommunalen Gymnasien sind laut Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) noch Großinvestitionen in drei Schulen nötig. Bereits begonnen hat im August der Neubau für das Gymnasium Klotzsche. Rund 31,7 Millionen Euro sind für die Arbeiten geplant, die bis August 2022 abgeschlossen sein sollen. Für die Gesamtsanierung des Gymnasium Cotta prognostiziert Vorjohann rund 22,4 Millionen Euro und eine Bauzeit von August 2020 bis Februar 2023. Am längsten warten muss nach den Prognosen des Bildungsbürgermeisters noch das Bertolt-Brecht-Gymnasium. Sanierung und Neubau könnten rund 31,9 Millionen Euro kosten und vom Februar 2023 bis August 2025 über die Bühne gehen.

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