STESAD und CARBOCON bauen erste Sporthalle aus Carbonbeton in Dresden

Mit Unterzeichnung des Vertrags zwischen der im Auftrag der Landeshauptstadt als Bauherr agierenden STESAD und der CARBOCON ist nun der Startschuss für die Planungen einer Sporthalle für die 49. Grundschule aus dem nachhaltigen und klimaschonendem Verbundwerkstoff Carbonbeton gefallen. Los geht es an der 49. Grundschule im Sommer 2023.

Grundlage für die Zusammenarbeit bildete der Wissensaustausch zwischen der STESAD und dem C³-Verband (Carbon Concrete Composite) zu den Einsatzmöglichkeiten nachhaltiger Werkstoffe im Sporthallenbereich. Schnell wurde dabei klar, dass die CARBOCON, eine Ausgründung der TU Dresden, welche den Werkstoff Carbonbeton von der Theorie in die Baupraxis bringen möchte, in die Gespräche einbezogen wird. Es folgte eine Machbarkeitsstudie, an deren Ende die Vorteile des Carbonbetons im konkreten Anwendungsfeld aufgezeigt werden konnten. „Dazu zählen etwa die wesentliche CO²- und Ressourceneinsparung und längere Lebensdauer", benennt CARBOCON-Geschäftsführer Dr. Alexander Schumann drei von vielen. Nachdem in den zurückliegenden Jahren vor allem im Brückenbau Carbonbeton eingesetzt wurde, betrete man nun einen ganz neuen, faszinierenden Bereich.

„In Dresden spüren wir von vielen Seiten Wohlwollen und Unterstützung, auch von der Stadtverwaltung", so Schumann weiter. Passend dazu erklärt Dresdens Bürgermeister für Bildung und Jugend, Jan Donhauser: "Ich freue mich, dass wir mit der STESAD GmbH und der CARBOCON GmbH gemeinsam ein neues Kapitel beim Bau der schulischen Infrastruktur aufschlagen. Innovation, Nachhaltigkeit und Förderung von jungen Dresdner Unternehmen sind hier in einem Paket vereint, auf das wir in den nächsten Jahren weiter aufbauen können." STESAD-Prokurist Sebastian Küfner zeigt sich froh, dass die Stadttochter erneut als Bauherr für ein ambitioniertes Vorhaben im Dresdner Schulbau beauftragt wird. „Wir haben mit diesem Projekt neben bereits in Bau befindlichen Holzbauprojekten an Schulen und Kitas eine weitere Möglichkeit, die Kompetenzen der STESAD und somit auch der Landeshauptstadt zu stärken und zu bündeln, Abläufe zu optimieren und trotz neuer Themenfelder die bewährten und beschleunigten Verfahrensabläufe im Sinne einer zügigen Projektabwicklung umzusetzen. Darin liegt eine unserer Stärken, von der das Projekt profitieren soll", sagt Küfner.

Der Neubau an der Bernhardstraße bezieht die Sanierung der Bestandshalle sowie die Errichtung einer sich anschließenden 1-Feld-Sporthalle ein. Dabei soll der Neubau im Juni 2023, die Sanierung im Oktober 2024 beginnen. Die Nutzungsaufnahme ist für Ende 2025 geplant.

Zu den Herausforderungen gehören die noch nicht vorhandenen Richtlinien und Normen für den Einsatz mit Carbonbeton. Heißt: Noch muss eine bauwerksbezogene Zustimmung für den Einsatz des Werkstoffes erteilt werden. Jedoch ist in Sachsen bereits ein hoher Erfahrungsschatz vorhanden. „Durch die Einbindung von Fachexperten der TU Dresden als Gutachter oder der Landesstelle für Bautechnik in Leipzig kann der Zustimmungsprozess sicher und im zeitlich vorgesehenen Rahmen erfolgen", erläutert Dr. Frank Schladitz, Geschäftsführer des Verbands C³. Für den Neubau an der Bernhardstraße laufen inzwischen die Vorplanungen. Die STESAD kalkuliert zunächst mit etwas weniger als 11 Millionen Euro Kosten. „Die Bauzeit könnte etwas länger dauern als gewöhnlich, da Genehmigungsprozesse für die nun zum Einsatz kommenden Baustoffe noch nicht routiniert sind und sich die Kommunikation hier erst einspielen wird", sagt STESAD-Projektleiterin Katja Büttner. Demgegenüber werde durch den Einsatz vorgefertigter Bauteile- und Elemente wieder reichlich Zeit reingeholt. Das Dresdner Sporthallenprojekt sehen alle Beteiligten als wichtigen Initial für die weitere Entwicklung zum nachhaltigem Bauen. „Damit wächst das Vertrauen in die Carbonbetonbauweise und das Wissen darüber bei Bauherren, Behörden, Planern und Bauausführenden", so Alexander Schumann, der sich zeitnah weitere Carbonbeton-Projekte in Dresden wünscht.

Warum Carbonbeton?

Bisher wird auf deutschen Baustellen Stahl im Beton verbaut. Es entsteht der bekannte Werkstoff Stahlbeton. Stahl korrodiert jedoch. Um das zu verhindern, wird er mit viel Beton ummantelt – die sogenannte Betondeckung. Dabei wird eine Mindestmenge an Zement im Beton benötigt. Zwei Dinge, die beim Carbonbeton nicht nötig sind. Da Carbon nicht rostet, können die Betonüberdeckung und der Zementgehalt erheblich reduziert und Ökobetone endlich im großen Umfang zur Anwendung kommen. Damit wird die Beton- und Zementmenge reduziert, die nicht hergestellt, transportiert, eingebaut, zurückgebaut und recycelt werden muss. Dies wiederum reduziert u.a. den Ressourcenverbrauch und die CO2 Emission. Darüber hinaus ist Carbon deutlich langlebiger. Kosten für Instandhaltung und Ersatzneubauten werden reduziert.

Bildunterschrift: Bildungsbürgermeister Jan Donhauser, STESAD-Prokurist Sebastian Küfner und Schulleiter Uwe Schmidt (v.l.) vor der Bestandshalle der 49. Grundschule. Ihre Hände ruhen auf eben jenem Material, welches für Sanierung und Neubau der Halle verwendet werden sollen.

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